DMB Mieterbund Wuppertal

Vereinsnachrichten

Viele Missstände in den Wohnungen der DEGAG/Alto Mondo in Wuppertal-Vohwinkel

Persönliche Vormerkung des Autors

Im Jahre 2006 hat mir unser heutiger Vorsitzender Gerd Lange eine Liste von 8 Wuppertaler Quartieren mit wohnungspolitischen Problemen übergeben. Daraufhin haben meine Frau und ich diese Quartiere besucht und die Zustände dokumentiert. Neben den allseits bekannten Wohnungsbeständen im Schmitteborn und Rehsiepen war damals schon der Bereich Höhe/Elfenhang/Engelshöhe in Vohwinkel auf der Liste zu finden, ohne dass er sich mit besonderen Missständen hervorgetan hätte. Das hat sich nunmehr gründlich geändert.

Während einer Veranstaltung im Ruhrgebiet sprach mich Marcus Roeser an, er erzählte mir, dass er einen Job bei der AWO in Wuppertal als Quartiersentwickler für den Bereich in Vohwinkel anträte und bat um unsere Hilfe für seine Arbeit. Inzwischen hat Marcus Roeser seine Arbeit aufgenommen und hat neben einigen Begehungen auch eine Mieterversammlung organisiert, die nicht nur Andreas Wiemann und mich, sondern alle Anwesenden sehr betroffen gemacht hat. Die dort geschilderten Missstände und Verstöße gegen das Mietrecht übertreffen so ziemlich alles, was wir bisher erlebt haben.

Bruno Wortmann

Seit zwei Jahren keine funktionierende Heizung

Die gut besuchte Mieterversammlung fand am 05. September 2017 in der ehem. Grundschule Elfenhang statt. Die Vertreter der Stadt Wuppertal (Wohnungsaufsicht), der Bezirksvertretung Vohwinkel und des DMB Wup-pertal erlebten MieterInnen, die voller Empörung über die Zustände in ihren Wohnungen und Häusern berichteten. Sie sprachen auch von langen, erfolglosen Auseinandersetzungen mit der zum DEGAG Konzern gehörenden Verwaltungsgesellschaft Altro Mondo. Die folgende Auflistung der Wohnungsmängel zeigt, dass vor allem die Probleme mit der Heizung gravierend sind.

  • Nicht zu Ende ausgeführte Heizungsmodernisierung (Fernwärme statt Nachtspeicheröfen): Einige Wohnungen haben seit zwei Jahren keine Heizung. Die vom Verwalter zur Verfügung gestellten Heizlüfter können eine Zentralheizung naturgemäß nicht ersetzen und treiben die Stromkosten in nicht mehr finanzierbare Höhen. Kernbohrungen für Heizungsrohre sind durchgeführt, die Leitungen sind z.T. gelegt, z.T. sind noch Löcher in den Böden/Decken vorhanden. Eine Mieterin legte Bilder vor, auf denen zu sehen war, dass neue Heizkörper – vermutlich ohne Funktion - installiert worden waren, die alten Nachtspeicheröfen aber, ebenfalls ohne Funktion, vor den neuen Heizkörpern im Zimmer herumstanden. Hier liegt die Vermutung nahe, dass sich der Vermieter die vorgeschriebene, aber teuere Entsorgung der Nachtspeicher sparen möchte.
  • Schimmel in vielen Wohnungen, auf Wasserschäden wird sehr langsam bis gar nicht reagiert
  • Lange und häufige Aufzugsausfälle (TÜV ist z.T. abgelaufen)
  • Defekte Fenster. Es wurde berichtet, dass es noch die ursprünglichen Holzfenster seien
  • Extrem hoher Leerstand (über 50%). Leerstehende Wohnungen sind vermutlich zu einem Großteil nicht bewohnbar. Sie werden aktuell nicht vermietet. Es gibt Häuser, die komplett leer stehen. Auf der Mieterversammlung merkten Mieter an, dass zumindest einige leerstehende Wohnungen beheizt würden.
  • Verwahrlosung des Wohnumfeldes (Unterbleiben von Gartenarbeiten und Treppenhausreinigung)
  • Fehlender Hausmeisterservice (bzw. stark zusammengekürzter Service). Bis Anfang 2017 war ein Hausmeister in der Siedlung tätig, der selbst dort wohnte.
  • Schlechte bis keine Erreichbarkeit der Hausverwaltung. Keine Reaktion auf Schreiben und Fristsetzungen
  • Ein Schlüssel für alle Hauseingangstüren (auch für die Türen in anderen Städten)

Welche Maßnahmen sollen eine Verbesserung herbeiführen?

Frau Justus-Lohrmann, Abteilungsleiterin bei der Stadt, beschrieb die Möglichkeiten der Stadt Wuppertal, die Beseitigung der genannten Missstände mit Hilfe des Wohnungsaufsichtsgesetz (WAG NRW) vom 10. April 2014 anzugehen. Zu diesem Zweck nahm Herr Fischer (Wohnungsaufsicht) die gravierendsten Beschwerden auf und sagte einen kurzfristigen Besuch in den betroffenen Wohnungen zu.

Unser Mieterbund informierte über die rechtlichen und öffentlichkeitwirksamen Möglichkeiten, diese skandalträchtigen Verhältnisse zu beenden.

Da sich bei der sehr intensiven Mängeldarstellung der anwesenden MieterInnen immer mehr herausstellte, dass die Betroffenen nur sehr wenig über die Möglichkeiten wussten, die das aktuelle Mietrecht in den genannten Fällen bietet, referierte der Geschäftsführer Andreas Wiemann ausführlich darüber. Kernsatz: Da es bei diesen Missständen keine Möglichkeit einer gerichtlichen Sammelklage gibt, muss jeder einzelne Betroffene eigene Aktivitäten entwickeln, sollte sich jedoch unbedingt einer kompetenten juristischen Begleitung bedienen.

Der Autor begrüßte ausdrücklich den von Herrn Roeser gemachten Vorschlag, eine Mieterinitiative in dem Quartier zu gründen und sagte zu, dass der Mieterbund Wuppertal dieses Vorhaben vorbehaltlos unterstützen werde. Desweiteren schilderte er die Möglichkeiten einer intensiven Information der Öffentlichkeit über Fernsehen, Radio und den Printmedien und betonte, dass dies in anderen Bereichen in Wuppertal zu Verbesserungen geführt hätte.

Autor: Bruno Wortmann
Fotograf: Axel Löser

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