DMB Mieterbund Wuppertal

Vereinsnachrichten

Lage am Mietwohnungsmarkt spitzt sich dramatisch zu

Mit obigem Betreff warnte der renommierte Forscher für Immobilien- und Bauwirtschaft Prof. Dr. Stefan Kofner in einer E-Mail an die Akteure des Arbeitskreises Große Wohnungs-unternehmen beim Landesverband NRW des Deutschen Mieterbundes vor den Folgen einer weitgehend verfehlten Wohnungspolitik in Deutschland. Zum gleichen Zeitpunkt schlug die Immobilien Zeitung in einem Artikel mit der Überschrift "Geförderter Wohnungsbau ist ge-scheitert" in die gleiche Kerbe. Sowohl Prof. Kofner als auch die Immobilien Zeitung beklagen unisono den absolut unzureichenden Neubau von öffentlich geförderten Mietwohnungen in Deutschland.

Nach einer Studie einer Frankfurter Immobilien Beratungsgesellschaft können sich nur noch 10% der Haushalte die Marktmieten in großen Städten leisten. Die Analysten gehen von Mietpreisen in Höhe von 13 €/m2 an aufwärts aus, die noch 25% der Haushalte bezahlen könnten. Berücksichtige man aber den Anteil von Wohnungseigentum von 45% und begrenze die Belastung der Haushalte durch Mietkosten auf 35%, könne man von lediglich 10% der Haushalte ausgehen, die die Marktmieten zu zahlen in der Lage wären. Nach Zahlen des Bundesbauministeriums müssten in jedem Jahr ca. 80.000 subventionierte Wohnungen fertiggestellt werden, in der Realität sind es etwa 10.000. Der Deutsche Mieterbund hat ermittelt, dass demgegenüber aber rund 50.000 Sozialwohnungen verloren gehen, weil sie aus der Mietpreisbindung fallen. Das ist eine erschreckend negative Bilanz.

Es ist mit aller Klarheit zu sagen, dass sich die Auswirkungen dieser skandalhaften Entwicklung in Wuppertal (noch) nicht zeigen. Noch immer gibt es in unserer Stadt einen erheblichen Wohnungsleerstand, aber niemand wird mit Sicherheit sagen können, wie viele dieser Wohnungen überhaupt noch vermietbar sind. Die Mietpreise sind auch nach dem neuen qualifizierten Mietpreisspiegel noch erschwinglich, was einen vermehrten Zuzug von Menschen aus der Region Düsseldorf erklären mag. Aber nach wie vor ist es für Familien mit z.B. 4 Kindern, die noch dazu Transferleistungs-Empfänger sind, nahezu unmöglich, eine von der Größe her passende, finanzierbare Wohnung zu finden.

Nach Meinung des Verfassers ist es nicht hinzunehmen, dass sich in anderen Regionen, vor allem in den großen Städten, die Mieten in eine schwindelerregende Höhe geschraubt haben. Und es ist ein Skandal, dass sich nur noch 10% der Haushalte die Marktmieten leisten können und manche Menschen überhaupt keine passende Wohnung mehr finden. Die geschilderten massiven Verwerfungen am deutschen Wohnungsmarkt lassen sich sicherlich mit dem vermehrten Bau von Sozialwohnungen bekämpfen. Aber dazu müssen einige Voraussetzungen grundlegend geändert werden.

  • Die Förderpraxis mit vergünstigten Darlehen kann in 0-Zinszeiten nicht mehr funktionieren. Am Markt werden heute Immobilien-Finanzierungen mit einem Zinssatz von 1,15% angeboten.
  • Die immer umfangreicheren Bauvorschriften bewirken, dass die Kosten für die Erstellung von Wohnungen mit Mietpreisbindung eine Höhe erreichen, die zur Sorge um eine adäquate Rendite Anlass geben.
  • Die Förderpraxis muss auf eine Objektförderung umgestellt werden. Nach Meinung des Ver-fassers könnten z.B. die in den Bauvorschriften geforderten - sicherlich sehr kostenintensiven - energetischen Maßnahmen oder der Einbau einer Brennwertheizung direkt gefördert werden, was sicherlich zu bezahlbaren Mieten führen könnte.

Es ist unsere Verpflichtung als Mieterorganisation, diese Fehlentwicklungen am Mietwohnungsmarkt sowohl auf regionaler, als auch auf Bundesebene wirksam zu bekämpfen. Dies sind wir vor allem unseren Mitgliedern, aber auch unserem eigenen Selbstverständnis schuldig.

Autor: Bruno Wortmann

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